Tango und gesunder Körper

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1) Form Follows Function: die ästhetische Wirkung hängt ab von funktionaler Körperorganisation

2)  Bewegung braucht Routine: Tanzen-gehen und Tanzen-lernen gibt Freiraum (und Spaß) zum spielerischen Ausprobieren von neuen Bewegungsroutinen und -prinzipien

3) Bewegungseffizienz fördert Klarheit und Harmonie: anatomisch funktionaler Gebrauch des Körpers ist der kleinste gemeinsame Nenner zwischen zwei Menschen und legt die Basis für Erleben von Gleichklang in der Bewegung – individuelle Ausformung sind dabei möglich und gewünscht. Dieeffizientere Bewegung kommuniziert klarer.

4) Rebound: Geschmeidige Bewegung nutzt Körper-Elastizitäten

5) hat Gesundheitseffekt: funktionale Bewegungsorganisation hat zugleich Vorteile in Richtung Gelenkschonung, Durchblutung Entspannung und Ausgeglichenheit.

1) Der ästhetische Genuss, jemanden beim Tanzen anzusehen, hängt in erster Linie von der Ausgefeiltheit seiner/ihrer Körperorganisation ab und erst in zweiter Linie von dem Variationsreichtum der Bewegungen.

In die selbe Richtung erfahren wir unser Erleben im Paartanz mit einem Partner und unser Genuss ist entsprechend höher, wenn das Gegenüber seinen Körper klar organisiert – erst auf der Basis dieser Erfahrung sind wir offen dafür auch eine große Variationsbreite der Bewegungsabfolgen genießen zu können.

2) Tanzen, sowie Tanz zu lernen/zu üben/zu trainieren und z.B. auf der Milonga im gesellschaftlichen Tanz zu praktizieren ist eine hervorragende Gelegenheit, mit der eigenen Körperorganisation zu spielen. – Wie wir eine Bewegung ausführen ist eine urpersönliche Sache (und ist so derart individuell, dass die Analyse von Gang und Bewegung als eindeutiges biometrisches Charakteristikum gilt). Wir lernen unsere Bewegungsorganisation von unseren Bezugspersonen in früher Kindheit und vieles davon wird so sehr zu einem Teil unserer Identität, dass wir schwer wieder etwas davon aufgeben können.

Der geringe intensive Gebrauch unseres Bewegungsrepertoirs im heutigen Leben und die geringe Einbindung in Aktivitäten mit anderen zusammen führt zu einem Defizit an Sich-in-verschiedenen-Rollen-ausprobieren.

Gerade der Schritt, zum Tanzen zu gehen oder sich mit Tanzen-lernen zu beschäftigen hat das richtige Maß an Abgrenzung zu unserem übrigen Leben, so dass wie dabei auch ein wenig mit unserer bisherige Art uns zu bewegen spielen können, ohne unsere damit zusammenhängende Art zu Sein damit in Frage würden. Es geht um ein wenig Spaß daran, mit ein paar Charakteristika zu spielen, die in Ihrer Gesamtheit ziemlich viel von dem beschreiben, wie wir uns in unserer gesellschaftlichen Rolle im Leben fühlen – warum nicht mal ein wenig Ausprobieren mit unserer Art des „Auftretens“ (Küsschen hier und da oder lieber zurückgezogener), uns anzuziehen und uns zu bewegen.

3) Physiologisch optimierte Bewegung legt die Basis für Harmonie in der Abstimmung der Dynamik von zwei Menschen im gemeinsamen Tanz.

Je mehr wir durch Bewegungserfahrung und durch entwickeltes Körperbewußtsein die Ansteuerung bestimmter Muskulaturkomplexe optimieren können, umso entspannter und sensibler können benachbarte Körperpartien bleiben. Damit können wir uns in unserem „körperlichen Dialog“ auf mehreren Ebenen gleichzeitig gegenseitig mitteilen: Wir können einerseits eine klare Bewegungsrichtung im Raum vermitteln (Spannungszustand) und andererseits eine kontinuierliche Verbindung zwischen uns aufrechterhalten (relative Entspannung in geeigneter Körperhaltung).

Durch die Isolation des körperlichen Spannungszustandes auf die Partien unseres Körpers, die gerade funktional „in Aktion“ sind, lassen sich zeitliche Verläufe besser einschätzen (bis zum Erreichen der nächsten Achse, bis der Schwung eines Beines seinen natürlichen Umkehrpunkt erreicht etc.) und damit koorginieren. (Tempo)

4) Klare Kommunikation beim Folgen und Führen heißt, sich im Rahmen der physiologischen Funktionszusammenhänge effizient zu bewegen.
(Rebound)
Für eine energiesparende Bewegung hat die Natur ein Zusammenspiel von Muskulatur (Kontraktion unter Energieeinsatz) und elastischem Gewebe (Energieaufnahme und -abgabe) vorgesehen. Während Roboter und Monster sich dadurch auszeichnen, gar nicht oder wenig die elastischen Strukturen des Körpers zu nutzen, benutzen Sportler und in besonderem Maße Tänzer (aus allen Disziplinen) gerade sehr viel die Elastizität aus dem Dehnungsverhalten von Gewebestrukturen.

5) Bewegung hin zu physiologisch „richtiger“ Bewegung hat immer auch einen gesundheits-prophylaktischen Wert und führt längerfristig zu einer größeren „Leichtigkeit“ des Bewegens und in zweiter Linie damit auch des „Seins“ – auch wenn der Übergang von bisher vertrauten Bewegungmustern zu effizienteren, aber ungewohnteren Bewegungsabfolgen sich zunächst nicht „leicht“ anfühlt, weil zunächst dem Körper ein höherer Aufwand abverlangt wird, neue Steuerungsroutinen zu entwickeln und zu automatisieren.